Neue Studie zeigt: KI im Einkauf bleibt oft ohne strategisches Fundament – nur zwei Prozent gut aufgestellt
Zwar wird Künstliche Intelligenz im Beschaffungswesen zunehmend ausprobiert, ein strategischer Einsatz fehlt jedoch fast völlig. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Erhebung der Einkaufsberatung KLOEPFEL by EPSA, für die 62 Einkaufsverantwortliche befragt wurden. Die Daten zeigen deutlich: KI im Einkauf kommt zwar punktuell zum Einsatz, eine echte Integration in Prozesse oder eine systematische Steuerung sucht man jedoch meist vergebens.
Fehlende KI-Strategien dominieren
Lediglich zwei Prozent der befragten Firmen verfolgen im Einkauf einen klaren strategischen KI-Ansatz. Bei mehr als der Hälfte (52 Prozent) ist das Thema strategisch überhaupt nicht verankert. In 18 Prozent der Fälle beruht die Nutzung von KI lediglich auf Bottom-up-Initiativen aus der Belegschaft.
„KI wird oft für einzelne Aufgaben genutzt, aber nicht in Prozesse und Systeme integriert. Ohne diese Integration entsteht kein ROI. Viele Unternehmen optimieren damit nur das Bestehende, statt echte Wertschöpfung zu schaffen. Dies zeigt auch sehr klar, dass KI Chefsache sein muss“, erklärt Christoph Knöll, Mitgründer der KI-Beratung Neurawork.
Mangelnde Systemintegration und fehlende Prozesse
Ein massives Defizit herrscht bei der Verknüpfung mit bestehenden Arbeitsabläufen und Systemen. Ganze 87 Prozent der Betriebe haben KI kaum oder gar nicht in ihre Einkaufssysteme eingebettet. Nur bei zwei Prozent existiert eine tiefe Integration, beispielsweise in ERP- oder SRM-Systeme.
Auch im operativen Tagesgeschäft – etwa bei Bestellungen, Analysen oder im Lieferantenmanagement – ist KI noch ein Randphänomen. 48 Prozent verzichten komplett darauf, 29 Prozent nutzen sie nur in Testphasen und 19 Prozent lediglich vereinzelt. Gerade einmal drei Prozent wenden Künstliche Intelligenz übergreifend in mehreren Beschaffungsprozessen an.
Anwendung meist nur für einfache Routineaufgaben
Für 76 Prozent der Befragten fungiert KI primär als Chatbot für simple Textarbeiten oder Recherchen. Deutlich seltener greifen Einkäufer für komplexe Aufgaben auf die Technologie zurück: 29 Prozent nutzen sie für Kalkulationen oder Auswertungen, und nur 21 Prozent binden KI in strategische Prozesse oder Analysen ein. Fast ein Viertel (23 Prozent) der Teilnehmer gab an, im Einkauf derzeit gänzlich auf Künstliche Intelligenz zu verzichten.
Unstrukturierte Nutzung und Hürden bei der Datenqualität
Statt organisierter Strukturen herrscht in den meisten Unternehmen Wildwuchs. 56 Prozent setzen auf individuelle Ad-hoc-Lösungen ohne definierte Standards. Bei weiteren 26 Prozent gibt es zumindest begrenzte Regelungen, doch eine zentrale Steuerung oder einheitliche Konzepte bilden die absolute Ausnahme. Nur fünf Prozent können auf einen standardisierten KI-Einsatz verweisen – beispielsweise durch definierte Use Cases, einheitliche Prompts oder zentrale Assistenten.
Ein weiteres strukturelles Kernproblem stellt die Datenqualität dar. Lediglich acht Prozent der Verantwortlichen bewerten ihre Einkaufsdaten als „sehr gut“ (gepflegt, sauber und strukturiert), um sie für KI zu nutzen. Während 42 Prozent ihre Datenbasis immerhin als „gut“ einschätzen, sieht exakt die Hälfte (50 Prozent) darin eine kritische Barriere.
Dementsprechend verhalten fällt das Stimmungsbild aus: 39 Prozent äußern sich unzufrieden mit dem aktuellen KI-Einsatz. Fast jeder Zweite vergibt ein neutrales Urteil, und nur 13 Prozent zeigen sich zufrieden. Die Note „sehr zufrieden“ wurde gar nicht vergeben.
Hintergrund zur Erhebung
Der Großteil der Umfrageteilnehmer (52 Prozent) ist im Industriesektor beheimatet, gefolgt von Handel und Dienstleistungen mit jeweils 23 Prozent. Die befragten Unternehmen bilden alle Umsatzgrößen ab, wobei der Fokus auf dem Mittelstand liegt. Die Datenerhebung fand online im Zeitraum von März bis April 2026 statt.
Fazit: Enormes ungenutztes Potenzial im Einkauf
Alexander Hornikel, Country Manager der Einkaufs- und Lieferkettenberatung KLOEPFEL by EPSA, fasst zusammen: „Der Einkauf befindet sich beim Thema KI noch in einer frühen Phase. Statt echter Transformation dominiert ein Nebeneinander aus Einzelanwendungen, Tests und Insellösungen. Der eigentliche Hebel von KI – die Automatisierung zentraler Prozesse, die Verbesserung von Entscheidungen und die Erschließung neuer Wertschöpfung – bleibt weitgehend ungenutzt.“