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Maverick Buying: Definition, Risiken und Strategien zur Vermeidung

Maverick Buying

Das Wichtigste auf den Punkt:

Maverick Buying bezeichnet den unkontrollierten Einkauf von Waren oder Dienstleistungen am Zentraleinkauf vorbei. Dies führt in Unternehmen zu unnötig hohen Kosten (bis zu 20 % Mehrausgaben), dem Verlust von Mengenrabatten und intransparenten Lieferketten. Die effektivsten Gegenmaßnahmen sind die Implementierung von E-Procurement-Systemen, die Schaffung nutzerfreundlicher Kataloge und eine klare Kommunikation der Einkaufsrichtlinien.

 

Key Facts zum Maverick Buying

 

  • Definition: Beschaffung außerhalb standardisierter Einkaufsprozesse und Rahmenverträge.
  • Hauptursachen: Zu komplexe interne Prozesse, Zeitdruck oder mangelndes Bewusstsein der Mitarbeiter.
  • Wirtschaftliche Folgen: Verlust von Skaleneffekten, Compliance-Risiken und hohe administrative Kosten.
  • Lösung: „Guided Buying“, Digitalisierung der Beschaffung und proaktives Change Management.

 

 

1. Was ist Maverick Buying? Eine klare Definition

Maverick Buying
Maverick Buying
Der Begriff Maverick Buying leitet sich vom US-amerikanischen Wort „Maverick“ für einen Eigenbrötler oder Querdenker ab. Im Beschaffungswesen beschreibt es den Einkauf von Sachgütern oder Dienstleistungen durch Fachabteilungen, ohne dass dabei die zuständigen Stellen im Zentraleinkauf involviert werden.

Fachlich wird Maverick Buying als mangelnde Contract Compliance definiert. Es handelt sich um eine Abweichung von den standardisierten Beschaffungsprozessen und Rahmenverträgen. Dabei muss man zwischen zwei Arten unterscheiden:

 

  • Unbewusstes Maverick Buying: Mitarbeiter kennen die Rahmenverträge nicht oder finden den offiziellen Zugang nicht.
  • Bewusstes Maverick Buying: Mitarbeiter umgehen den Prozess aktiv, etwa um Zeit zu sparen oder weil sie eine persönliche Präferenz für einen bestimmten Lieferanten haben.

In der Betriebswirtschaft wird dieses Phänomen oft als „Schatteneinkauf“ bezeichnet, da die Ausgaben für das Controlling unsichtbar bleiben, bis die Rechnung in der Buchhaltung auftaucht.

 

2. Die Ursachen: Warum Mitarbeiter „wild“ einkaufen

Niemand möchte dem eigenen Unternehmen schaden. In den meisten Fällen ist Maverick Buying eine Reaktion auf bestehende Hürden:

 

  • Komplizierte Systeme: Wenn die interne Software schwer zu bedienen ist, suchen Mitarbeiter intuitiv nach moderneren, schnelleren Wegen.
  • Dringlichkeit: Der offizielle Weg dauert oft zu lange, während die Ware oder Dienstleistung sofort benötigt wird.
  • Fehlendes Wissen: Viele Mitarbeiter wissen schlicht nicht, dass es für bestimmte Kategorien bereits exklusive Sonderkonditionen bei Vertragspartnern gibt.
💡 Experten-Tipp: Analysieren Sie die „User Experience“ Ihres Einkaufssystems. Wenn eine Bestellung bei einem privaten Online-Händler nur drei Klicks dauert, Ihr internes System aber zehn Freigaben benötigt, wird Maverick Buying zur logischen Konsequenz der Mitarbeiter-Effizienz.

 

3. Die Risiken: Warum Maverick Buying teuer wird

Die Kosten von Maverick Buying verstecken sich oft unter der Oberfläche und belasten das Budget an mehreren Stellen:

 

  • Finanzielle Einbußen: Ohne Bündelung der Bedarfe verpuffen Mengenrabatte und Bonusstaffeln. Wer „klein“ einkauft, zahlt den vollen Marktpreis.
  • Explodierende Prozesskosten: Jede „wilde“ Rechnung muss manuell geprüft, kontiert und freigegeben werden.

„Wer die kleinen Ausgaben ignoriert, verliert am Ende das große Budget aus den Augen – im modernen Einkauf sind es oft die unkoordinierten C-Teile, die den Gewinn auffressen.“

  • Rechtliche Gefahren: Wer am Einkauf vorbeigeht, missachtet oft das Lieferkettengesetz (LkSG) oder Nachhaltigkeitsstandards.
💡 Experten-Tipp: Unterschätzen Sie nicht die „Hidden Costs“. Die Bearbeitung einer einzigen Maverick-Rechnung kostet ein Unternehmen im Schnitt zwischen 60 und 120 Euro an Prozesskosten – oft mehr als der eigentliche Warenwert.

 

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4. Strategien zur Vermeidung: Den Einkauf zurückgewinnen

Um Maverick Buying nachhaltig zu senken, hilft kein „Einkaufsverbot“, sondern eine Optimierung der Strukturen.

 

  • Guided Buying einführen: Machen Sie den offiziellen Einkaufsweg zum einfachsten Weg. Eine moderne Benutzeroberfläche führt den Nutzer intuitiv zum richtigen Produkt.

„Ein effizienter Prozess ist nicht der, den man am strengsten kontrollieren kann, sondern der, den die Mitarbeiter am liebsten nutzen, weil er ihren Arbeitsalltag erleichtert.“

  • Kataloge dynamisch halten: Prüfen Sie regelmäßig, ob die angebotenen Artikel noch zum tatsächlichen Bedarf der Fachabteilungen passen.
  • Analyse der Dunkelziffer: Nutzen Sie Software-Tools, um Ausgabenmuster in der Buchhaltung zu erkennen (Spend Analytics).

 

5. Deep Dive: Prozess-Mining und Datenforensik zur Aufdeckung

Um Maverick Buying wirklich an der Wurzel zu packen, reicht ein Blick in die offiziellen Einkaufsstatistiken oft nicht aus. Hier setzen moderne Analyse-Methoden an:

Prozess-Mining: Mit speziellen Software-Tools werden digitale Spuren aus dem ERP-System visualisiert. Man sucht gezielt nach „Rechnung ohne Bestellung“ (Invoices without PO). Wenn eine Rechnung direkt in der Buchhaltung landet, ohne dass vorher eine Bestellanforderung (BANF) im Einkauf ausgelöst wurde, ist das ein eindeutiger Maverick-Beleg.

Identifikation von Schatten-Lieferanten: Durch Datenforensik lassen sich Lieferanten-Cluster bilden. Oft bestellen verschiedene Abteilungen bei derselben Plattform (z. B. Amazon Business). Werden diese Einzelrechnungen aggregiert, zeigt sich oft ein Volumen, das groß genug wäre, um einen eigenen Rahmenvertrag mit diesem Anbieter zu schließen.

 

6. Praxisbeispiel: Wie Maverick Buying im Arbeitsalltag aussieht

Stellen wir uns ein mittelständisches Industrieunternehmen vor. Der Marketing-Leiter benötigt kurzfristig 50 hochwertige Powerbanks als Messegeschenke.

 

  • Der offizielle Weg: Er müsste eine Bestellanforderung im ERP-System stellen. Der Einkauf würde Angebote bei gelisteten Werbemittel-Händlern einholen. Dauer: ca. 5 Werktage. Preis pro Stück durch Rahmenvertrag: 15 Euro.
  • Der Maverick-Weg: Der Leiter bestellt die Powerbanks direkt bei einem Online-Versandhandel mit seinem privaten Account. Preis pro Stück: 22 Euro. Er reicht die Rechnung später als Auslagenersatz ein.
  • Die Konsequenz: Das Unternehmen zahlt 350 Euro mehr für die Ware. Zusätzlich entstehen in der Buchhaltung Kosten für die manuelle Bearbeitung der Spesenquittung (ca. 80 Euro). Zudem ist unklar, ob die Powerbanks die notwendigen CE-Zertifizierungen besitzen – ein Haftungsrisiko.

 

7. Fokus C-Teile: Wo Maverick Buying am häufigsten auftritt

Maverick Buying ist fast ausschließlich ein Problem bei sogenannten C-Teilen (indirekte Bedarfe). Da es sich hier um Kleinteile wie Büromaterial, Werkzeuge oder MRO-Bedarf handelt, unterschätzen viele Mitarbeiter die Relevanz.

Die Maverick-Buying-Quote (MBQ) berechnen:
Um den Fortschritt Ihrer Strategie zu kontrollieren, sollten Sie regelmäßig die MBQ ermitteln. Die Formel für die volumenbasierte Quote lautet:

MBQ = (Anzahl der Rechnungen ohne Bestellbezug / Gesamtzahl der Rechnungen) x 100

💡 Experten-Tipp: Setzen Sie sich realistische Ziele. Eine Quote von 0 % ist in der Praxis kaum erreichbar. Ein Zielwert von unter 3 % bis 5 % gilt in der Industrie bereits als Benchmark für exzellente Prozesse.

 

8. Fazit: Maverick Buying nachhaltig reduzieren

Maverick Buying ist weit mehr als nur ein administratives Versäumnis; es ist ein Indikator für die digitale Reife und die Unternehmenskultur eines Betriebs. Ein hoher Wildkauf-Anteil signalisiert meist, dass die internen Prozesse nicht mit der Agilität des Marktes schritthalten können.

Die erfolgreiche Bekämpfung von Maverick Buying erfordert einen Paradigmenwechsel: Der Einkauf muss sich vom „Kontrolleur“ zum „Service-Dienstleister“ für die Fachabteilungen entwickeln. Durch den Einsatz von Guided Buying und intuitiven E-Procurement-Lösungen wird der korrekte Weg zum einfachsten Weg gemacht.

Langfristig führt eine reduzierte Maverick-Quote nicht nur zu direkten Kosteneinsparungen durch Volumenzusammenfassungen, sondern stärkt die strategische Position des Einkaufs als Wertschöpfungspartner im Unternehmen. Wer Transparenz schafft, schafft die Basis für eine resiliente und kosteneffiziente Lieferkette.

 

9. FAQ: Häufige Fragen zum Maverick Buying

Ab welcher Quote wird Maverick Buying gefährlich?

In der Regel gilt eine Quote von über 5 % als Warnsignal. Liegt sie im zweistelligen Bereich, verschenkt das Unternehmen massiv Kapital, verliert die Kontrolle über seine Lieferketten und riskiert die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.

Ist Maverick Buying jemals sinnvoll oder entschuldbar?

In echten Notfällen, etwa bei einem drohenden Produktionsausfall, kann Schnelligkeit wichtiger sein als der Standardprozess. In solchen Fällen sollte jedoch ein definierter „Ad-hoc-Prozess“ greifen, damit der Kauf im Nachgang legitimiert wird.

Welche Software-Lösungen helfen gegen den wilden Einkauf?

Moderne E-Procurement-Systeme mit „Guided Buying“-Funktionalität sind das effektivste Mittel. Diese Tools binden Marktplätze direkt an, sodass Mitarbeiter die vertraute Optik privater Online-Shops nutzen können, während im Hintergrund die Compliance gewahrt bleibt.

Wie starte ich am besten mit der Reduzierung der Quote?

Der erste Schritt ist eine umfassende Spend-Analyse. Werten Sie die Kreditorendaten (Rechnungen ohne Bestellbezug) der letzten 12 Monate aus und identifizieren Sie Lieferanten, mit denen keine Verträge bestehen, die aber regelmäßig von verschiedenen Fachabteilungen genutzt werden.

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